Am 31.03.2021 hat die Geschäftsführung der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Vallendar (PTHV) bei Koblenz die Stilllegung der
Pflegewissenschaftlichen Fakultät mitgeteilt . Eine Initiative von Studierenden und Promovierenden der PTHV will den Standort als Leuchtturm innerhalb der deutschen Pflegewissenschaft und -forschung erhalten und fordert Politik und Gesellschaft auf, jetzt aktiv zu werden.

Die seit 15 Jahren bestehende Pflegewissenschaftliche Fakultät ist ein national und international renommiertes Qualifikations- und Innovationszentrum auf Universitätsniveau. Es bietet zurzeit insgesamt 250 pflegeerfahrenen Studierenden in fünf praxis-, bildungs- und forschungsorientierten Studienprogrammen die Möglichkeit einer wissenschaftlich fundierten und qualitativ hochwertigen Ausbildung. Der Bachelorstudiengang Pflegeexpertise qualifiziert Pflegefachpersonen für die wissenschaftliche Fundierung pflegerischer Entscheidungen in Krankenhäusern und Einrichtungen der Langzeitpflege, der neue Masterstudiengang Community Health Nursing qualifiziert für eine eigenverantwortliche Primärversorgung in der kommunalen Daseinsvorsorge. Darüber hinaus stellt die Fakultät durch den Masterstudiengang Pflegewissenschaft, dem Promotionsprogramm mit aktuell 66 Doktorand*innen sowie der Möglichkeit zur Habilitation eine tragende Säule zur Sicherstellung des wissenschaftlichen Nachwuchses unserer Disziplin dar. 

Die Schließung der Pflegewissenschaftlichen Fakultät an der PTHV wäre ein harter Rückschlag für die weitere Entwicklung und Professionalisierung der beruflichen Pflege und der Pflegewissenschaft. Besonders irritiert das Vorhaben zur Stilllegung dieser einzigartigen Fakultät im Lichte der aktuellen Herausforderungen und Belastungen des Gesundheitssystems durch die CoViD 19-Pandemie. Diese ließ nicht nur die besondere Relevanz von Pflegefachpersonen für alle deutlich sichtbar werden, sie deckte zugleich auch schonungslos die Versäumnisse der letzten Jahre und Jahrzehnte auf und verschärfte diese zusätzlich. Die zunehmende Verschlechterung der Bedingungen, unter denen Pflegefachpersonen aktuell arbeiten, brachten bereits im vergangenen Jahr 9.000 Pflegende zum Ausstieg aus dem Beruf. Es ist damit zu rechnen, dass weitere folgen und der Fachkräftemangel in diesem Bereich eine qualitative, würdevolle pflegerische Versorgung der Bevölkerung immer unsicherer werden lässt. Inmitten dieser Krise wichtige Strukturen zu zerschlagen, die benötigt werden, diesen und folgenden Herausforderungen zu begegnen, ist schlicht fahrlässig. 

Denn wie in vielen anderen Lebens- und Arbeitsbereichen liegt auch in der Pflegeforschung und -wissenschaft der Fokus im Erschließen des hierzu benötigten Wissens und der Erarbeitung neuer, zukunftsweisender Konzepte sowie Implementierung dieser in die Pflegelehre, praktischer Anwendung und Pflegemanagement. Dazu gehören Innovationen und reflektierte Veränderungen in einer immer komplexer werdenden Gesundheitsversorgung für die Akut- und Langzeitpflege genauso wie für die Prävention, Gesundheits- und Patient*innenschutz sowie die palliative Versorgung in der letzten Lebensphase. 

(1) https://www.pallottiner.org/neuausrichtung-der-hochschule-der-pallottiner/ (letzter Zugriff 22.04.21) 
(2) https://www.bibliomed-pflege.de/news/9000-pflegende-2020-aus-beruf-ausgeschieden (letzter Zugriff 22.04.21) 

Damit wir qualitativ hochwertige Ansätze in der Pflege bundesweit entwickeln können, brauchen wir weiterhin Pflegewissenschaft an mehreren Standorten in Deutschland:

  • Wir bilden die Pflegefachpersonen der Zukunft aus und vermitteln die Werte unserer Gesellschaft. 
  • Wir entwickeln innovative Lösungen für pflegerelevante Herausforderungen. 
  • Wir sind die Schnittstelle zur Praxis, um Pflegehandeln auf ein wissenschaftliches Fundament zu stellen. 
  • Wir beraten Kommunen, Städte und Gemeinden um passfähige, regionale pflegerische Versorgungskonzepte zu entwickeln. 
  • Wir entwickeln Versorgungs- und Gesundheitskonzepte für Gruppen unserer Gesellschaft, wie beispielsweise ältere Menschen, Menschen mit chronischen Erkrankungen und Familien. 
  • Wir fördern die Gesundheit und leisten einen essentiellen Beitrag zur Prävention von Erkrankungen und Pflegebedürftigkeit. 
  • Wir forschen mit wissenschaftlichen Methoden und tragen zur Qualitätsentwicklung und -sicherung in der Pflege bei. 
  • Wir leisten durch Bildungsarbeit einen wesentlichen Beitrag zur Professionalisierung und Berufsorganisation der Pflege. 
  • Wir geben Pflege einen höheren Stellenwert in unserer Gesellschaft. 

An dieser Stelle sehen wir das Land RLP, aber auch die Bundesregierung in der Verantwortung, entsprechende Strukturen zu schaffen und die Pflegewissenschaftliche Fakultät PTHV zumindest so lange am Leben zu halten, bis adäquate Alternativen vorliegen, die entstehende Lücke zu schließen.

Wir fordern 
den Erhalt des Leuchtturms Pflegewissenschaft am Standort Rheinland-Pfalz! 
Forschung, Entwicklung und Innovationen für bessere Versorgungs- und Arbeitsbedingungen in der Pflege, durch: 

  1. Ausbildung und Sicherung von akademischen Pflegefachpersonen für hochkomplexe Tätigkeitsbereiche in der Pflegepraxis
  2. Erhalt der Pflegelehrer*innenbildung in Rheinland-Pfalz für eine zukunftsfähige Pflegeausbildung 
  3. Entwicklung zukunftsweisender klinischer Ansätze für die präventive, kurative, rehabilitative und palliative Versorgung von Menschen aller Altersgruppen mit hochkomplexem Pflegebedarf 
  4. Erschließung neuer Technologien und digitaler Systeme zur Förderung einer zukunftsweisenden, am Menschen mit Pflegebedarf ausgerichteten Pflege 
  5. Weiterer Ausbau der Pflegeforschung für innovative Versorgungs- und Arbeitskonzepte für den Pflegealltag 
  6. Förderung von Konzepten durch wissenschaftliche Erkenntnis und Transfer in ethisch verantwortbare Pflegepraxis 

Pflege betrifft jeden und ist längst #nichtselbstverständlich. 

#PflegebrauchtWissenschaft  

Um die Petition zu unterzeichnen, klicken Sie bitte auf den nachfolgenden Link: